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Wei shenme China?

September 3, 2017

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich mich vor gut zwei Jahren bei der Wahl für ein Auslandsemester für China entschieden habe. Ich kann diese Frage nicht wirklich beantworten, irgendwie fühlte sich der Entscheid richtig an und das tut es immernoch. Auch auf die Frage, warum mir China so gefällt, wusste ich nie eine Antwort. Ich denke mir ist es auf dieser Reise wieder eingefallen. Hier meine Liebeserklärung an ein Land, welches unterschiedlicher nicht sei könnte.

Ich liebe das Essen in China und wer mich kennt, weiss, dass dies mich fast schon definiert. Chinesisches Essen ist defintiv nicht Suan Long, es gibt hier kein Sweet and Sour oder Frühlingsrollen, keine Ahnung wer diesen Mythos nach Westen brachte :-) Das Gemüse, Aubergine, gedämfter Salat, Dumpling, Boize, Hot Pot, Peking Ente und Bean Paste Bread versetzen mich auf Wolke Sieben.

Die Chinesen sind auf ihre Art und Weise eine Bereicherung, wenn man sie verstanden hat ;-). Sie tragem oft viel zu grosse Schuhe, schlurfen und schlürfen sich durchs Leben und auch wenn sie so viele auf eingem Raum sind, geben sie auf sich Acht.

In China kann ich erstaunlicherweise dem Leistungsdruck entfliehen. Ihre Unfähigkeit alleine Entscheidungen zu treffen und für alles einen Supervisor zu haben, entsetzt manchmal und schafft aber auch Raum, nicht immer zu müssen. Ihre Naivität und das Schäfchenverhalten ist nervig aber auch entschleunigend. Sie übernehmen nicht gerne Verantwortung, was mich manchmal in den Wahnsinn treibt, dennoch sehe ich auch die Möglichkeit einfach nur zu sein darin. Was nicht meinem Naturell auf lange Sicht entspricht, aber mir dennoch gut tut. Das Starren, offensichtlich über uns reden und lachen, empfand ich oft als unhöflich, da ich es immer noch nicht richtig deuten kann. In ihren Augen wären wir auf einem höhren Level an Bildung und Aussehen, daher irrituert das widersprüchliche Verhalten. Das Nachlaufen und Fotografieren ist auch überaus ungewohnt als "Normalmensch". Dennoch überwiegen die schmunzelnden Momente, wo ich mich frage "wei schenme?" (Wieso?)
Kleinkinder tragen oftmals keine Windeln, sondern Hosen mit einem riesigen Schlitz. Alles, auch für erwachsene Frauen, ist überaus kitzschig und herrlich kindlich. Da viele Chinesen nicht viel besitzen oder auf engem Raum zusammenwohnen, erfreuen sie sich aufrichtig  an vielen Kleinigkeiten und zeigen mir, Westlerin, mit wie wenig die Welt doch wieder in Ordnung ist. Ich liebe die Parks und das soziale Leben dort, das Singen, Tanzen, Karten spielen oder einfach das Beisammensein. Ein weiteres Phänomen sind all die Elektroroller und ihre Alarmtöne, welche die Strassen mit schrillen Lauten erfüllen.

Zudem liebe ich die chinesische Sprache. Auf dem Lande konnte ich so manchem ein Schmunzeln entlocken, mit meinem Beijinger Dialekt, welcher oft erkannt wurde. Dies erfüllte mich doch mit Stolz. Umso lieber denke ich dann die Tsinghua Universität zurück. Wohl eine meiner besten Entscheidungen.

In China fand ich vor allem Vertrauen und lernte loszulassen. Vieles ist hier nicht planbar, was ich immer wieder auch auf der Reise zu spüren bekam. Dies verschafft eine vergessene Leichtigkeit und fördert die mentale Stärke.

Nichts geht in China einfach und entschleunigt so schön. China ist eine komplett andere Welt. Über China kann man vieles sagen, aber langweilig bestimmt nie.

In dieser Welt konnte ich mich begrenzt verständigen, die Schriftzeichen nicht lesen und alles war fremd und neu. Hier in dieser Welt konnte ich nur auf eines vertrauen, auf meine Intutition. Dem Herz und Bauchgefühl zu folgen ist wohl die schönste Art das Leben zu geniessen - auf mein China!  

 

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