Team Elisabeth – Willkommen auf meiner Safari


Ich schlief erstaunlich gut und wachte sogar vor meinem Wecker um 04.00 Uhr morgens auf – ja, ich der absolute Langschläger in der Schweiz. Ich ziehe mich an und wasche mich sporadisch mit dem Eimer vor meinem Zelt, rasch gehe ich den Weg zum Hauptzelt entlang und treffe auf einen strahlenden Olly. Er ist heute mein Backup Guide oder Tracker. Wir bereiten die Warmwasser-Eimer für die anderen Zelte vor, wecken alle Studenten auf und begeben uns Richtung Jeep, denn es steht der morgentliche Check an. Wir führen alle Kontrollen gemäss der Liste durch, putzen das Auto und legen ein paar Fachbücher für unsere zukünftigen «Gäste» bereit. Als wir das Auto zum Hauptplatz gefahren haben, merken wir, dass sich leider der Zustand des einen Pneu’s nicht verbessert hat. Auf ein Wunder hoffen, darf man wohl morgens um 04.30 Uhr noch 😉 Etwas überfordert, ich zumindest, machen wir uns an den Pneuwechsel. Olly lässt mir zuerst den Vortritt, damit ich etwas lerne. Naja, ein Pneu habe ich in der Schweiz noch nie gewechselt und schon gar nie einem grossen, schweren Jeep in der Dunkelheit. Mit der Stirnlampe bewaffnet, machte ich mich an die Arbeit. Es klappte dann doch alles – nur sah ich aus, als wäre ich von einem Jeep überfahren worden. Ich musste rasch meine Kleider wechseln, denn das Erscheinungsbild wird ebenfalls in die Bewertung eingerechnet. Ich traf etwas später am Frühstückstisch ein und biss noch schnell in meinen Toast, nippte ein zwei Mal am Kaffee und dann ging es auch schon los. Olly war zuerst der Lead-Guide und begrüsste unsere Gäste (Studenten) mit dem Sicherheitsbriefing im Auto. Mich stellte er selbstsicher als einer der besten, weiblichen Spurenlesen Afrika’s vor. Ich winkte etwas unsicher von meinem Tracker-Seat vorne.

Wir fuhren los und die wärmende, rote Sonne Afrika’s begrüsste uns. Das ist und bleibt einer meiner absoluten Lieblingsmomente als Ranger – die Nacht ist gerade vorüber, der Tag noch frisch und alles ist möglich. Die Sonne – Ursprung aller Energie und Lebens – ziert den Horizont und strahlt bereits in einer Schönheit, welche ich fast nicht beschreiben kann. Der Satz: «Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.», könnte nicht treffender für diese stillen, echten Momente im Tag sein.

Mit einem Lächeln und dem Fahrtwind im Gesicht, erkunden wir den Busch, die Natur und eine Welt, welches mit so vielen Geheimnissen und Schönheiten auf uns wartet, dass ich bezweifle, jemals genug davon zu bekommen. Olly und ich funktionieren grossartig als Team, wir nehmen Rücksicht und kommunizieren ohne Worte. Ich lese die Spuren vor uns und er fährt mit seiner gemütlichen Art den Jeep so angenehm, dass selbst die grossen Elefantenlöcher souverän und unbemerkt umfahren wurden. Wir entdecken Elefanten, eine Vielzahl an Vögel (was mich natürlich freute) – Geier, Adler und auch kleinere bezaubernd farbige Wesen, ausserdem all die Zebras und Impalas sowie Giraffen. Wir lernen dieses Mal auch mehr über die Bäume und wenden das gelernte Wissen über die Tierwelt an. Olly versucht sein Wissen in die Fahrt einzubauen und hilft mir bei der Bestimmung der Spuren. Bei der 9.00 Uhr Pause vollbringen wir gemeinsam einen wirklich tollen Service und sind pünktlich wieder für das Mittagessen im Camp.

Olly und ich bereiten den Wagen für die Nachmittagsfahrt vor und geniessen ein tolles Essen als Belohnung. Das Debriefing zu unserer morgentlichen Leistung fällt sehr positiv aus. Ich merke, wieviel Sicherheit mir Olly an meiner Seite gibt und wie ich den Morgen im Busch genossen habe. Selbstsicherer als am Morgen begrüsse ich nun die Gäste, frage nach ihren Wünschen und informiere über das Nachmittagsprogramm. Nach einer kurzen Mittagspause, welche ich mit Lernen verbracht habe, begrüsse ich die versammelte Gästetruppe erneut. Ich stelle mich als Lead-Guide und meinen Tracker vor, was zu einem Gemurmel führt. Jemand meldet sich aus der Gruppe und fragt, wie ich denn nun heisse. «Isabelle», war meine erstaunte Antwort. Die Jungs schauten sich an und fingen an zu lachen. Anscheinend hatte sich fast jeder zweite einem anderen Namen für mich «gemerkt». So war ich einmal Elisabeth, Silvia oder doch Isabelle – für mich war klar, wenn sie von nun an einer Frau riefen, dann meinten sie wohl mich. Olly rief vom Tracker-Seat, dass er sonst den Namen Elisabeth übernehme, dann können sie mich wieder Isabelle nennen. Also machte sich das Team Elisabeth auf die zweite gemeinsame Safari auf!

Ich fühlte mich hinter dem Steuer sicher und so entschied Julien (unser Trainer), dass ich von nun an auf Sandstrassen fahren soll. Dies ist vom Strassenbeleg mit Schnee vergleichbar und machte riesig Spass. Ich schlängelte den Wagen durch die engen Kurven an Büschen und Bäumen vorbei und versuchte auf den Tracker sowie die Tiere zu achten. Gleichzeitig sollte ich noch die Gäste unterhalten und dabei wirken, als hätte ich alles unter Kontrolle. Zudem gehört die Gruppenkontrolle/-Sicherheit sowie das Unterhalten mit Geschichten und Wissen zum grössten Bestandteil innerhalb des Autos. Zu spüren wie es den Gästen im Rücken geht und zu merken, was sich in der Aussenwelt an Geräuschen abspielt. Wir folgten den Vogel- und Affenrufen, mit der Hoffnung auf einen Löwen oder Geparden zu stossen. Wir fanden jedoch nur die Paviane und… eine Horde Büffel. Beeindruckend, wie sich die schwarze Masse über die Landschaft bewegt.

Auf dem Rückweg lag ein umgefallener Baum auf dem Sandweg, sodass ich noch ein kleines Manöver durchführen durfte. Ich durfte ein Seil am Jeep und am Stamm befestigen und diesen dann mithilfe des Autos aus dem Weg ziehen. Dies war eine super Übung um das Feingefühl für das Auto zu bekommen. Völlig glücklich über meinen ersten Game-Drive fuhr ich Richtung Camp, informierte via Funk unsere Ankunftszeit und verabschiedete die Truppe mit einem breiten Lächeln und den Worten «Wir hoffen, es hat Ihnen bei uns der Elisabeth-Safari gefallen».

Nach dem köstlichen Abendessen und ein paar Mausbesuchen unter unserem Esstisch, erhielt ich das Feedback zu meiner Leistung. Ich habe selten so detaillierte Rückmeldung zu meinem Auftreten, Wissen und auch meiner «Menschlichkeit» erhalten, wie während dieser Zeit. Immer wurde es auf eine überaus angenehme, respektvolle und motivierende Art vermittelt, dass ich dadurch wachsen konnte.

Olly und ich, hatten als Team Elisabeth überzeugt und merkten, dass wir im anderen einen tollen, unterstützenden Safari-Partner gefunden hatten. So waren wir auch in der Zukunft dann ein unschlagbares Team.

Ich ging mit einer solchen Zufriedenheit und Ruhe ins Bett, dass ich merkte, irgendetwas hatte sich heute verändert. In meiner Haltung, meiner Wahrnehmung und in meinem Leben. Isabelle, willkommen auf der Safari deines Lebens!

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