Blick: Schweizerin Isabelle Tschugmall (36) lebt mit ihren Kleinkindern im Busch
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Sie verwaltet in Botswana zweimal die Fläche des Kantons Zürich.

Ein Leben zwischen Löwen und Elefanten. Das ist für Isabelle Tschugmall (36) Alltag. Alles begann 2018, als die Schweizerin zum ersten Mal nach Afrika reiste, um sich in Botswana als Safari-Guide ausbilden zu lassen. Kurz darauf kündigte sie Job und Wohnung in der Schweiz und wanderte aus. Der Start in Botswana war allerdings schwierig. «Im Busch hat niemand auf mich gewartet, ich wurde nicht ernst genommen», so die Zürcher Oberländerin. Als eine der wenigen Frauen unter den Safari-Guides machte sie sich selbständig. Gemeinsam mit einer belgischen Freundin, die in Südafrika lebt, gründete sie ihre eigene Safari-Firma – und verdient bis heute damit ihr Geld. «Wir bieten Safari-Reisen in zwölf Ländern an», so die 36-Jährige.

Aufwachsen in zwei Kulturen
Mitten in der Wildnis fand sie auch ihre grosse Liebe: Julien Biget (37). Der Kenianer ist Safari-Guide-Trainer und lehrte einst auch sie das Führen im Busch. 2023 heirateten sie in Zürich, heute haben sie zwei Söhne namens Luan (3) und Yanoh (1). In der Schweiz geboren, wachsen die Kinder zwischen zwei Kulturen auf. «Luan war mit sechs, Yanoh mit sieben Wochen zum ersten Mal auf Safari.» Seither gehören Safaris zu ihrem Alltag. Tschugmall nimmt ihre Söhne auch auf Guide-Touren mit Kunden mit. «Das ist herausfordernd, aber schön», sagt sie. Im Familienalltag spielen gleich mehrere Sprachen eine wichtige Rolle. «Wir erziehen unsere Kinder viersprachig», so die Mutter. Neben Setswana (die botswanische Landessprache) lernen die Kinder Englisch, Französisch und Schweizerdeutsch. Der jüngere Sohn Yanoh beginne gerade zu sprechen. «Lustigerweise fängt er mit setswanischen Wörtern an.»
Leben in der Wildnis
In der Stadt Maun, im Norden von Botswana, hat die Familie ein Miethaus. Meist leben sie aber mitten im Busch. «Wir schlafen im Zelt und kochen auf dem Feuer. Auch viele Einheimische leben so.» Manchmal kämen wilde Tiere ans Camp. Besonders im Winter, um sich am Feuer zu wärmen. Bei Unsicherheiten gehe sie mit der Familie in die Nähe des Autos. «Dort setzen wir uns hin und geniessen es», sagt sie. Angst um ihre Kinder inmitten der Wildnis habe sie nicht. «Man hat immer ein Sicherheitskonzept im Kopf. Ich weiss, wie sich die Tiere verhalten und ob sie gefährlich sind», so Tschugmall. Seitdem ihre Kinder mit ihr im Busch leben, achte sie nachts beispielsweise stärker auf Skorpione. Das nächste Spital sei mehrere Autostunden entfernt – und Gegengift gebe es dort keines. «Dafür müsste man mit einem Rettungshelikopter nach Südafrika fliegen», erklärt sie.

Landkauf in Afrika
Zwei bis drei Monate verbringt Tschugmall mit ihrer Familie in Neuhaus SG, wo sie temporär ein Haus mieten. Zudem machen sie längere Roadtrips durch verschiedene Länder Afrikas. Diese Reisen sind gleichzeitig Arbeit: Sie testen neue Routen und Unterkünfte für zukünftige Safari-Touren. Die Dauer ihrer Aufenthalte sei jeweils spontan: «Wir planen zwei bis drei Wochen im Voraus, wann es weitergeht.»
In Botswana verfolgen Tschugmall und ihr Mann grosse Pläne. Gemeinsam mit externen Investoren übernahmen sie vergangenen Winter rund 3460 Quadratkilometer Land. Die Fläche ist fast doppelt so gross wie der Kanton Zürich. Dort sollen mehrere Safari-Lodges entstehen, die erste ist bereits im Bau. «Das Land ist sehr wild und eignet sich gut für Safari-Touren», so die Zürcher Oberländerin. Unter anderem leben dort Zebras, Elefanten, Löwen, Leoparden und Wildhunde.
Wichtig zu erwähnen ist, dass sich das Gebiet nicht in Privatbesitz befindet. Es handelt sich um eine staatlich verpachtete Wildkonzession für nachhaltigen Safari-Tourismus – so, wie es die Gesetzgebung in Botswana vorsieht.
Blick in die Zukunft
Auch sie selbst will noch lange dortbleiben. «Botswana und der Geruch von wildem Salbei – das ist Heimat für mich», sagt sie. Wo ihre Kinder in ein paar Jahren zur Schule gehen werden, sei noch offen: «Das entscheiden wir, wenn es so weit ist.» Bis dahin geniesst die Familie das Leben im Busch. «Luan hat Freude an allem, was kriecht oder fliegt. Er nimmt jeden Käfer in die Hand», sagt sie. Sein Lieblingstier sei das Chamäleon. Der kleine Bruder schwärmt hingegen für Kühe. Tschugmall lacht: «Die hat er aber in der Schweiz gesehen.»

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