Zürcher Oberländer - Safari trifft auf Sexologie


Uster - Eine Safari-Tourführerin und eine angehende Sexologin nehmen Interessierte am «Sexari»-Event in Uster mit auf eine innovative Entdeckungsreise in die Welt der Tiere und Menschen.


Laura Hertel Mitten in der zweiten Pandemiewelle fand in Uster eine Safari statt. Diese führte zwar nicht in die echte afrikanische Wildnis, dafür aber aus der Komfortzone heraus. Es handelte sich dabei nämlich nicht um eine gewöhnliche Safari, sondern um eine «Sexari» – eine Kombination aus Safari und Sexologie, die von Safari Guide Isabelle Tschugmall und Sexologiestudentin Tamara Schmucki geleitet wird. Auf der «Sexari» wollen die Expertinnen Paarungsverhalten, Urinstinkte und Rollenbilder der Tier- und Menschenwelt miteinander vergleichen. Dabei erfahren Teilnehmende unter anderem, wieso das Hyänenweibchen einen Fake-Penis hat. Oder was für erstaunliche Mechanismen des Eisprungs in der Tierwelt vorherrschen. Während der Themenreise soll auch das eigene Leben in einem neuen Blickwinkel erscheinen – das versprechen zumindest die Veranstalterinnen auf dem Flyer.


Ab in den Busch In Uster führten die Initiantinnen die «Sexari» am 20. November zum dritten Mal durch – zuvor gab es je eine in Zürich und Rüti. Der Event ist ausgebucht: Mehr als 15 Personen treffen nach und nach in einem grossen Dachstock in Niederuster im Health House ein. Trotz Schutzmaske und Abstand ist die Atmosphäre ungezwungen. Im Hintergrund läuft «Africa» von Toto, Tierfotografien zieren die Wände, davor reihen sich abgepackte Snacks und Fachbücher. Die beiden Expertinnen wuseln im Raum herum und starten «afrikanisch», also mit leichter Verspätung. Die «Sexari» folgt dem Ablauf einer echten Safari und beginnt also damit, dass die beiden Expertinnen in ein Flugzeug nach Botswana steigen. Die theatralische Inszenierung ist spontan, selbstironisch und gleichzeitig authentisch.


Zwei Fachgebiete, ein Thema Isabelle Tschugmall und Tamara Schmucki, beide Anfang 30, sind seit ihrer Kindheit befreundet. Beruflich schlugen sie unterschiedliche Wege ein: Tschugmall, die unter anderem in Laupen aufwuchs, arbeitete im Finanzbereich, bevor ihr Leben vor einigen Jahren eine abrupte Wendung nahm. So fand sie sich plötzlich in Botswana wieder. Denn dort glaubte sie, ein Stück Echtheit wiederzufinden und ihre Sinne besser zu spüren. Seither arbeitet sie als eine der wenigen weiblichen Safari Guides, ist Firmeninhaberin und jettet alle paar Monate zwischen der Schweiz und Afrika hin und her. Wäre da nicht gerade die Pandemie, die sie auf Corona-konforme Safari-Alternativen gebracht hat. Tamara Schmucki hingegen arbeitet in der Schweiz als Primarlehrerin und engagiert sich in einem Oberländer Unihockeyklub für die Nachwuchsförderung. Im Frühjahr 2019 begann sie aus Interesse an Themen wie Körper, Sexualität und Kultur ihr Masterstudium in Sexologie. Wohin sie dieses Studium einmal führen wird, lässt Schmucki allerdings noch offen. Dieses Jahr jedenfalls führte es zur «Sexari». Auf die Idee kamen die Freundinnen bei einem Glas Wein, als Tschugmall zwischenzeitlich bei Schmucki wohnte. «Uns fiel auf, dass es bei uns beiden im Leben sehr viel um Essen und Sex geht und es zwischen Sexologie und Safari viele Parallelen gibt», erzählt Tschugmall unverblümt und lacht.


Einige Missverständnisse Das Konzept in die Praxis umzusetzen, sei allerdings gar nicht so einfach. Etwa, wenn es darum gehe, den Anlass zu verbreiten. «Auf Facebook werde ich zum Beispiel immer gesperrt, wenn ich für den Event werben will, weil Sex im Titel steht», sagt sie. Generell müsse man sehr genau aufpassen, welche Formulierungen man verwende, um niemanden abzuschrecken und keine falschen Erwartungen zu wecken. Denn wer etwa Sexpraktiken vertiefen oder Tantra-Techniken erlernen will – diesbezüglich habe es Anfragen gegeben –, ist bei der «Sexari» an der falschen Adresse. Wer einen trockenen Theorievortrag erwartet, liegt allerdings ebenfalls daneben.


Teil des Geschehens Denn Teilnehmende werden selbst Teil des Geschehens: Sie figurieren als Reisegruppe der Tour, sitzen plötzlich in einem fiktiven Jeep auf der Pirsch und entdecken verschiedene Tierarten: So erscheint zum Beispiel eine Elefantenherde am Horizont beziehungsweise ein Foto davon auf der Leinwand. Und dann ein Foto eines Elefantenmännchens mit einem 80 Zentimeter langen Penis. Damit kann es sich gemäss Tschugmall auch am Bauch kratzen. Und Schmucki erklärt, dass die Mobilität des menschlichen Äquivalents oftmals eingeschränkt sei – unter anderem, weil viele Männer wenig mit ihrer Beckenbodenmuskulatur spielten. Plötzlich steht da eine Gruppe Zebras, die sofort vor dem Jeep flüchtet. Doch selbst von hinten sieht man, ob es sich um weibliche oder männliche Exemplare handelt. Tschugmall zeigt den Teilnehmenden, woran sie dies erkennen, und zwar anhand der unverwechselbaren Vulva der Zebraweibchen. Und Schmucki erzählt, wieso bei den Menschen immer noch ein Begriffschaos herrscht, wenn es um die Geschlechtsorgane bei der Frau geht, und dass diese nach wie vor mit zahlreichen Mythen behaftet sind. «Die Erforschung der Frau hinkt sehr weit hinterher. Man weiss zum Beispiel erst seit 1998, wie gross die Klitoris überhaupt ist.»


Wenn es nach Popcorn riecht Tschugmall und Schmucki bieten auf der «Sexari» nicht nur visuelle Eindrücke. So ertönt zum Beispiel plötzlich Pavianengeschrei aus den Lautsprechern, oder es breitet sich ein intensiver Geruch im Raum aus. Tschugmall hat einen Sack Popcorn geöffnet. Genau so rieche es im afrikanischen Busch, wenn ein bestimmtes Tier in der Nähe sei. Die Informationen und Anekdoten sorgen bei den Teilnehmenden abwechselnd für angehobene Augenbrauen und Gelächter. Da die Expertinnen an einem Abend nur einen kleinen Bruchteil der erstaunlichen Informationen wiedergeben können, richtet sich die «Sexari» jeweils nach den Interessen der Anwesenden.


Das menschliche Privileg So wollen Teilnehmende etwa wissen, welche Rolle Gefühle beim Sex spielen. Und dort sehen die Veranstalterinnen einen Unterschied zwischen Tieren und Menschen. Bei den meisten Tieren sei der Geschlechtsakt eher ein Mittel zur Fortpflanzung und müsse möglichst energieeffizient sein. «Es ist unglaublich, wie sich die Natur auf das Überleben perfektioniert hat», sagt Tschugmall. Bei Menschen, die sich nicht vor natürlichen Feinden fürchten müssten, sei das anders. «Menschen haben die Möglichkeit, sich mit allen Sinnen auf den Partner oder die Partnerin einzulassen», sagt Schmucki. Nach 20 Minuten Überzeit endet der Themenabend mit Gin Tonic und zufriedenen Teilnehmenden und Expertinnen. Die Kombination von Safari und Sexologie war ein Sprung ins Ungewisse. Dass der Event bei den Teilnehmenden gut ankomme und die Teilnehmerzahl von mal zu mal steige, sei eine positive Überraschung, so Tschugmall. «Unser Ziel ist es, dass die ‹Sexari› in Erinnerung bleibt und niemandem peinlich ist», sagt sie. Eine Mischung aus Professionalität und Humor scheint dafür ein gutes Rezept zu sein.


Am 12. Dezember findet um 20 Uhr ein weiterer «Sexari»- Abend am Turbinenweg 1 in Uster im Health House statt. Infos und Anmeldung unter: www.sexari.ch

Für den nächsten Sommer ist sogar eine echte «Sexari»- Tour in Botswana geplant.


Veröffentlicht: 01.12.2020 / Zürcher Oberländer

https://zueriost.ch/news/2020-12-01/von-hyaenenweibchen-mit-penis-und-rollenbildern-im-busch

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